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Der Hauptfeind steht im eigenen Land

Diese Mahnung und Aufruf zugleich wurde von Karl Liebknecht in seinem berühmt gewordenen Flugblatt vom Mai 1915 formuliert. Darin wurde der imperialistische Charakter des Krieges  entlarvt und zum Kampf gegen den „Burgfrieden“ der rechten sozialdemokratischen Führer mit den Monopolisten, Militaristen und Junkern aufgerufen.
Sie war Bestandteil der Lehren, die die Linken um Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg aus dem Kampf gegen die Kriegspolitik des deutschen Imperialismus, aus der Entwicklung des Kampfes gegen die Bewilligung der Kriegskredite gezogen hatten.
Sie war Teil des Aufbruchs im Prozess der Wiederbelebung der revolutionären marxistischen Traditionen  in der deutschen Arbeiterbewegung.
Mit der Herausbildung des deutschen Imperialismus, besonders Anfang des 20. Jahrhunderts, wurde der Kampf gegen ihn und gegen seine aggressive und expansionistische Politik der Neuaufteilung der Welt zu einem Kristallisationspunkt im Prozess der Herausbildung und des Kampfes der revolutionären kommunistischen und Arbeiterbewegung in Deutschland.
Das Flugblatt stützte sich auf die marxistischen Verallgemeinerungen und Schlussfolgerungen, die sich aus der Analyse der Entstehung und des Charakters des Krieges, aus der Analyse der Klassenkampfsituation in Deutschland und aus den praktischen Erfahrungen der Linken im Kampf gegen Krieg und Sozialchauvinismus ergaben. Im Flugblatt formulierte K. Liebknecht die Aufgabe der deutschen Arbeiterbewegung, die im Kampf um den Fried3en gelöst werden musste, wie folgt: „Der Hauptfeind des deutschen Volkes steht in Deutschland: der deutsche Imperialismus, die deutsche Kriegspartei, die deutsche Geheimdiplomatie. Diesen Feind im eigenen Lande gilt’s für das deutsche Volk zu bekämpfen, zu bekämpfen im politischen Kampf, zusammenwirkend mit dem Proletariat  der anderen Länder, dessen Kampf gegen seine heimischen Imperialisten geht.
Wir wissen uns eins mit dem deutschen Volk – nichts gemein haben wir mit den deutschen  Tirpitzen und Falkenhayns, mit der deutschen Regierung, der politischen Unterdrückung, der sozialen Knechtung. Nichts für diese, alles für das deutsche Volk.“
Das Flugblatt orientierte auf die Kernfrage des Kampfes: auf die Beseitigung  der Macht der des Imperialismus und Militarismus. Diese antiimperialistische Konzeption wurde zur Plattform, auf der sich die revolutionären Kräfte der Arbeiterklasse und andere Werktätige in wachsendem Maße zusammenfanden. Mit ihr grenzten sich die revolutionären Marxisten ideologisch scharf vom Opportunismus ab. Das hat zwangsläufig zu verstärkten Auseinandersetzungen mit dem Sozialpazifismus der Zentristen geführt. Trotz der chauvinistischen Kriegspropaganda begann sich auf dieser Grundlage die Erkenntnis zu verbreiten, dass der Krieg die Existenz des Volkes bedroht.
Dem Flugblatt folgten die konkreten Taten Karl Liebknechts, Rosa Luxemburgs und ihrer Mitstreiter. Dabei verfolgten sie zwei Hauptrichtungen: Sie entlarvten die Politik der rechten Führer der Sozialdemokratie und waren gleichzeitig auf die Mobilisierung der Arbeiterklasse und ihren Verbündeten ausgerichtet. In einem Brief Karl Liebknechts vom 16. August 1915 an den Vorstand der SPD hieß es: „International, vom Standpunkt der Gesamtinteressen des Weltproletariats, muss die sozialistische Politik gegenüber dem Krieg orientiert sein, und zwar weil sie so auch den Interessen des Proletariats jedes Landes am nützlichsten ist…
Der Gedanke des internationalen Klassenkampfes muß die sozialistische Aktion, auch gegen den Krieg, beherrschen; der Kampf muss in jedem Lande gegen die eigene Regierung gerichtet werden; nur so kann das Proletariat Macht entfalten, sowohl für die Beendigung des Krieges  wie für die Gestaltung  des Friedens. Wem an dem Einfluss der Sozialdemokratie auf die Friedensgestaltung liegt, muss die dem Proletariat eigentümliche Macht zu entwickeln suchen. Der Kampf um die Friedensgestaltung, bei dem die herrschenden Klassen, den Schwertknauf in der Hand, aufstampfen werden, wird ein Machtkampf derbster Art ohne alle Sentimentalitäten. Burgkrieg, nicht Burgfriede  ist dazu vonnöten…Der Kampf hat gegen die Regierung und die herrschenden Klassen zu gehen, als die Träger der imperialistischen  und Annexionspolitik. Die Regierung  ist der ‚Ausschuss der herrschenden Klassen‘, heute im Krieg mehr als je.“ (Zit. nach: Spartakusbriefe, S.14/15)
Wichtig für die weitere Entwicklung war die Gründung der Gruppe „Internationale“ am 1. Januar 1916, deren Leitsätze eine Quelle wichtiger Erkenntnisse ist. Diese wurden am 3. Februar 1916 in dem zweiten Informationsbrief, der mit dem Namen „Spartakus“ unterzeichnet war, veröffentlicht. Diese Informationsbriefe sind als „Spartakusbriefe“ in die Geschichte eingegangen. Die Präambel ging von der Erkenntnis aus, dass die Augustkatastrophe 1914 für die internationale Arbeiterbewegung keine Zufälligkeit war, sondern ein notwendiges Ergebnis ihres Zustandes.Den sozialistischen Parteien fehlte die Einmütigkeit im Ziel und im Mittel der politischen Aktion. Immer breitere Kreise erkannten, dass Vertuschung der Gegensätze  und Einheitsbetrug der Übel größtes sind und die Partei des internationalen und revolutionären Sozialismus, um ihre geschichtliche Aufgabe zu lösen, im Sozialismus, im Internationalismus und in der revolutionären Aktion nicht nur zum Schein, sondern in Wahrheit übereinstimmen muß“ (Spartakusbriefe, S. 83) Ganz entschieden forderte die Gruppe Internationale „Klarheit über alles“. Die Aktionsfähigkeit werde durch unerbittliche Aufdeckung und Austragung  der Differenzen bestimmt. Das setze prinzipielle und taktische Einmütigkeit voraus. Die reinigende Auseinandersetzung müsse so lange fortgesetzt werden, „bis der Internationalismus, bis der absolute Vorrang des internationalen Klassenkampfes  als leitendes Prinzip der proletarischen Bewegung  anerkannt und in revolutionärer Aktionsbereitschaft Fleisch und Bein geworden ist“. (Ebenda) Die Herausbildung der Gruppe „Internationale“ erfolgte als Bestandteil der Entwicklung der marxistisch-leninistisch orientierten europäischen und internationalen Bewegung und der bewussten Einordnung der deutschen Linken in diese Bewegung. Dafür steht u.a. die Zimmerwalder Konferenz. Die Geschichte jener Zeit weist uns nachdrücklich darauf hin, dass es ohne den Marxismus und seine schöpferische Weiterentwicklung keine sozialistische Partei geben kann, die diesen Namen verdient und die den Anforderungen des Klassenkampfes unter den konkreten Bedingungen der Zeit gerecht werden kann. Ebenso deutlich wurde schon damals, dass die Existenz und der Erfolg der revolutionären Arbeiterbewegung davon abhängig ist, wie es gelingt, die marxistische Theorie vor allen Versuchen, sie zu verwässern, geschützt werden kann.
An der Seite W.I. Lenins nahmen die deutschen Linken den Kampf gegen den Krieg auf, der sie in der Erkenntnis bestärkte, dass die kommunistische Partei die Vereinigung der Arbeiterbewegung mit dem Sozialismus ist. In diesem Kampf erkannten sie, dass der Opportunismus dazu führt, dass die Bedeutung der revolutionären Theorie verneint und die Arbeiterbewegung in ein passives Anhängsel des Liberalismus verwandelt wird. Es wurde deutlich, dass die Entwicklung einer Partei, die den revolutionären Anforderungen gewachsen sein will, nur dann erfolgreich sein kann, wenn – wie Friedrich Engels die deutsche Arbeiterbewegung schon 1874 darauf hinwies –  das Proletariat gewillt und in der Lage ist, den Kampf gegen die Bourgeoisie nicht nur auf politischem und ökonomischem Gebiet, sondern auch in der Theorie zu führen.  Gestützt auf die Erfahrungen seiner Zeit bestätigte  W.I. Lenin in „Was tun?“ diese Erkenntnis. Er wies darauf hin, dass „die Frage nur so stehen (kann). Bürgerliche oder sozialistische Ideologie. Ein Mittelding gibt es hier nicht“. (W.I. Lenin, Werke, Bd. 5, S. 396)

Anton Latzo

 

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